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Poesietherapie / Kreatives Schreiben
Das Lesen und Schreiben von Texten galt schon in der Antike als wirksames Therapeutikum. Cicero und Seneca schrieben Trostschriften für Krisen wie Krankheit, Alter und Tod. Bis heute haben Erzählungen, Gedichte, Fabeln, Dramen, religiöse Schriften, Märchen, Romane, Reden oder Briefe großen Einfluss auf das Denken und Fühlen – und damit das Handeln.
So gilt die heutige Biblio- und Poesietherapie – neben Musik-, Tanz-, Kunst- und Drama-Therapie – als eine der großen künstlerisch-kreativen Therapieformen mit vergleichbarer Tradition. Im Mittelpunkt steht hier neben der Rezeption von Literatur vor allem das Kreative Schreiben, das heißt, die Aktivierung von Kreativität und Handeln in der Produktion eigener Texte.
Poesietherapie - das heiĂźt, von der Seele schreiben.
Mit dem Kreativen Schreiben – verstanden als therapeutisch begleitete, methodische „Anstiftung“ zum Verfassen und Veröffentlichen selbstreflektierender Texte – machen Poesietherapeuten schriftstellerische Techniken für Klienten nutzbar, um ihnen andere Zugänge zu Emotionen und Gedanken sowie neue Wege für deren Ausdruck und Regulation zu erschließen.
Dabei kommen sowohl dem Niederschreiben als auch dem „Veröffentlichen“ (Vorlesen) und „darüber Reden“ ganz eigene Qualitäten hinsichtlich des Selbsterfahrungs- und –reflektionsprozesses zu.
- Allein das Schreiben kann durch ein „in Worte Fassen“, Sammeln, Ordnen, Phantasieren, Strukturieren, Ver- und Um-Dichten, Kreieren, Dokumentieren u.a.m. heilsame (sinnfördernde, konfliktlösende, handlungsaktivierende) Wirkkräfte entfalten.
- Das Veröffentlichen führt zu einem Laut- und Sichtbarwerden („zur Sprache bringen“) und fordert, zum Eigenen zu stehen. Mit dem „Von-Sich-Geben“ entsteht die Chance, mit Trennung und dem Verlust der Kontrolle über das, was mit dem Text geschieht, umgehen zu lernen. Sharing und Feed-Back in der Gruppe integrieren die gängigen Wirkfaktoren gruppenorientierten Arbeitens.
Isabel Bommer
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